Brandstiftung durch die Feuerwehr?

Wer am 9. Juni gegen 20 Uhr am Osterfeuerplatz „Am Breiten Baum“ am Kommunalweg Richtung Hattorf langgekommen ist, wird sich vielleicht verwundert die Augen gerieben haben. Denn ausgerechnet Einsatzkräfte der Ortsfeuerwehr Schwiegershausen hantierten dort mit einem Gasbrenner und setzten auch noch Strohbunde in Brand. Warum dort überhaupt Stroh rumlag und warum dieses angezündet wurde erklären wir in diesem Artikel!

Bereits seit einigen Jahren lag der Fokus des Kommandos bei der Anschaffung neuer Materialien auf dem Thema „Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung“ – ein Punkt, welcher durch die vermehrten trockenen Jahre immer mehr an Bedeutung gewann. So wurden neben einem Faltbehälter für Löschwasser auch Löschrucksäcke, D-Schlauchmaterial sowie spezielle Waldbrandhacken angeschafft. Besonders hervorzuheben ist hier das Engagement der Firma Rump & Salzmann aus Uehrde, die einen wesentlichen Teil der Anschaffungen gesponsert haben. Wir hatten bereits darüber berichtet.

Die Dienstagsgruppe unter fachkundiger Anleitung von Gruppenführer Jannik Loch und Vize-Ortsbrandmeister Niklas Buchwald machte sich nun, sozusagen am lebenden Objekt, mit den verschiedenen Werkzeugen und Löschpraktiken vertraut. Dazu wurden die von Feuerwehrkamerad Patrick Großkopf bereitgestellten Strohbunde auf dem Osterfeuerplatz ausgestreut, verteilt und angezündet. Natürlich fand vorher eine Abstimmung mit der Leitstelle in Göttingen, der Feldmark, der Forst und den Jägern statt, die über das offene Feuer und die damit verbundene Rauchentwicklung informiert wurden.

Ein weiterer wichtiger Punkt war die Integration des neuen Mehrzweckfahrzeugs MZF in die Löschwasserlogistik. Der auf dem Uehrder Kleinlöschfahrzeug KLF verlastete 3.000-Liter-Faltbehälter kann nun dank der auf einem Rollcontainer verlasteten Tragkraftspritze TS 8/8 des MZF geleert werden. Das KLF kann nun flexibler eingesetzt werden, z.B. als wasserführendes Fahrzeug für den Pendelverkehr, als zwischengeschaltete Förderpumpe in einer längeren Schlauchleitung oder direkt an der Einsatzstelle.

Feuerpatschen, „Gorgui“-Hacken und Löschrucksäcke – zusammen eine perfekte Mischung zum effektiven Bekämpfen von kleineren Bränden.

Hauptaugenmerk lag aber auf der richtigen Anwendung der verschiedenen Gerätschaften zur Brandbekämpfung. So wurden die Löschrucksäcke intensiv genutzt, der richtige Umgang mit der guten alten Feuerpatsche geübt und erstmalig auch die sogenannten „Gorgui“-Hacken verwendet. Hierbei handelt es sich um eine Kombination verschiedener Werkzeuge, damit kann man hacken, den Boden abziehen, graben und wenn nötig auch irgendwas abschlagen. Diese vielseitigen Einsatzmöglichkeiten machen das Werkzeug sehr flexibel einsetzbar, man kann Schneisen in den Boden ziehen oder Glutnester freilegen, welche dann gezielt mit Wasser z.B. aus einem Löschrucksack, aus einem D-Strahlrohr oder mit der Feuerpatsche bekämpft werden können. Großer Vorteil ist der jeweils geringe bis gar nicht vorhandene Verbrauch von Löschwasser, welches bei derartigen Bränden zumeist nicht in „Hülle und Fülle“ zur Verfügung steht.

Ein weiteres Hilfsmittel ist die Wärmebildkamera. Mit ihr kann man gezielt den Boden auf Glutnester absuchen, die z.B. im Unterholz nicht direkt ersichtlich sind. Auch nach Beendigung der Ausbildungseinheit wurde der Boden abgesucht, damit es nicht doch noch zu einem Schadenfeuer kam. Unabhängig davon wurde sowieso nochmal die genutzte Fläche großzügig mit Wasser benetzt.

Also: auch die Feuerwehr muss ab und zu mal einen Brand legen um effektiv und realitätsnah üben zu können, natürlich unter Beachtung sämtlicher Auflagen.

Anbei noch einige Fotos dieses sehr gelungenen Dienstabends der Ortsfeuerwehr Schwiegershausen!

Fotos: Niklas Buchwald; Marcel Sonntag – Text: Marcel Sonntag

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